1848. Dieses Jahr wird als das Revolutionsjahr der Preußen in die Geschichte eingehen. Später wird es schwierig sein die Ziele der Bürger auf der Ebene des Einzelstaats und der Gemeinde nicht auf einen Nenner zu bringen, der da heißen könnte: "Kampf für Einheit und Freiheit".
Die Revolution in unserem Land steigerte sich deshalb zu solch einer Gefahr für die herrschende Klasse, weil sie keine geplante Einzelaktion war und sich die Ziele der Revolutionäre so unterschieden. Sie war vielschichtig und die Ausdrucksform von fehlgeleiteten Bürgern.
Die Revolution hatte ihre Ursprünge. Kaum eine andere deutsche Stadt ist so eng mit der Revolution von 1848 verbunden wie Frankfurt am Main. Als Sitz des Vorparlamentes und der ersten deutschen Nationalversammlung gehört Frankfurt neben Berlin und Wien zu den Brennpunkten des Geschehens auf nationaler Ebene. Die Verhandlungen der Nationalversammlung drängte jedoch die revolutionäre Bewegung vor Ort in den Hintergrund. Diese Revolution in der Region war jedoch eng verbunden mit den großen Ereignissen und beeinflußte deren Verlauf entscheidend mit, so beispielsweise im gerade eben erst gewesenen September 1848, als sich der Aufstand in Frankfurt buchstäblich vor den Toren der Paulskirche abgespielt hat.
Auch im Umkreis ist das Rhein Main Gebiet mit zwei Landtagen und der Frankfurter Konstituierten Versammlung Schauplatz eines regen parlamentarischen und außerparlamentarischen Lebens. Hier fanden im nun ablaufenden Jahr so bedeutende Ereignisse wie der erste Katholikentag und der erste Demokratenkongreß statt, und die Region entwickelte sich zu einem Zentrum regionaler und nationaler Vereinszusammenschlüsse.
Trotz des aufkommenden Fabrikwesens und industrieller Städte wie Offenbach, Höchst und Hanau ist im Rhein Main Gebiet die Hand und Landwirtschaft nicht zu unterschätzen.
Mit knapp 60.000 Einwohnern ist Frankfurt die größte Stadt im weiten Umkreis, gefolgt von einigen größeren Städten deren Einwohnerzahl zwischen 10.000 - 40.000 liegt. Die Mehrheit der Bevölkerung in dieser Gegend lebt jedoch noch in Dörfern und Kleinstädten. Knappheit und Armut waren und sind ihr Alltag. Doch auch Schuhmachern, Schneidern, Schreinern und Zimmerleuten war bewußt geworden wie nahe der soziale Abstieg ist.
Gründe für Unzufriedenheit gab es also genug, und schon während des Hungerjahres 1847 lag, auch im Rhein Main Gebiet, die Revolution fast in der Luft.
Eine Ursache für den schnellen und friedlichen Sieg der Märzerhebung war das einzelne und doch gleichzeitige und so als Einheit erscheinende Auftreten von unterschiedlichen sozialen Gruppen. Sie unterschieden sich durch ihre Motive ihre Ziele und ihre eingesetzten Mittel. So waren es die städtischen Handwerksgesellen und Unterschichten, die agrarische Protestbewegung der Landbevölkerung eine nationale und liberale Verfassungsbewegung des Bürgertums.
Auslöser für die Märzrevolution war die Februarrevolution in Frankreich und die Ausrufung der Republik am 24. Februar 1848. Diese Geschehnisse riefen die Hoffnung hervor, daß nun der rechte Zeitpunkt wäre auch im eigenen Lande etwas zu ändern.
Es wurden , sich oft in ihrem Inhalt ähnelnde, Reden gehalten und Forderungskataloge in Form von Flugblättern gedruckt. Als Druckmittel diente die Drohung des Einsatzes aller zur Verfügung stehenden Gewalt. den die Bereitschaft war da. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon Anfang März verlangte der Abgeordnete Theodor Reh: "(...) einen Wechsel des bisherigen mit den Wünschen und Forderungen des hessischen Volkes nicht im Einklang stehenden Regierungssytems".
Ob diese Märzrevolution spektakuläre Ausmaße annahm oder nicht hing immer von der Landbevölkerung ab. In Frankfurt blieb der Protest verhältnismäßig ruhig, in Wiesbaden kamen die Ländler aber in Scharen mit Äxten und Sensen bewaffnet und dies rief Gewalt hervor.
Die Revolution auf dem Lande hatte handfeste Gründe. Es ging um eine Ermäßigung der Abgaben, insbesondere aber um die Abschaffung des Zehnten. Dann war es die Forderung nach einer drastischen Reduzierung des herrschaftlichen Wildbestandes und die Selbstverwaltung der Gemeinden. Im Verlauf der Unruhen jagte die Landbevölkerung nach belieben und schlug Holz in den Wäldern. Forstbedienstete und Schultheißen waren die Hauptziele des Unmuts, wurden häufig abgesetzt und mißhandelt. In Hessendarmstadt kam es auch zu antijüdischen Ausschreitungen. Schwerpunkt der Landwirtschaftlichen Unruhen war der Taunus, der Odenwald und Teile der Wetterau, wobei die standesherrlichen Gebiete wegen ihrer verstärkten Abgabenbelastung in der Regel besonders gewalttätig waren.
Da in den Städten der Landbevölkerung nur sehr spät und sehr wenig Verständnis entgegengebracht wurde, was sicher an der Unwissenheit der Verhältnisse vom Lande lag, zogen sich die Agrarunruhen bis in den Sommer diesen Jahres hin und sind, doch nun im eigentlich unbedenklichen Ausmaße, noch immer am Aufflammen.
Im Laufe der Revolution wuchs sowohl auf der revolutionären als auch auf der herrschenden Seite die Gewaltbereitschaft. Es gab Gerüchte über ein Eingreifen des Auslandes, Frankreich, zur Niederschlagung der Revolution. Bürgerwehren wurden gegründet und bewaffnet. In dieser konflikgeladenen Stimmung ereigneten sich im Laufe der Monate Mai bis September diesen Jahres in den Städten eine Reihe schwer bewaffneter Konflikte, die zu einer Wende des Revolutionsverlaufes führten. Es waren anfänglich zum Beispiel nur Wirtshausschlägereien zwischen Mainzer Bürgern und preußischen Soldaten. Doch steigerte sich dieser Konflikt zu bewaffneten Kämpfen mit acht Toten und zahlreichen Verwundeten. Daraufhin drohte das Preußische Festungsgouvernement mit der Bombardierung der Stadt und setze die Abgabe aller Waffen durch. Damit hatte das preußische Militär seine Macht bewiesen und eine sogenannte Märzerungenschaft der Revolutionäre wieder aufgehoben.
Auch in vielen anderen, teilweise noch blutigeren, Konflikten waren es nur sehr selten wirklich politische Hintergründe, die zur Eskalation führten.
Von den Bürgern kam ein unbegründetes, künstlich erregtes Mißtrauen gegenüber der preußischen Armee auf. Das zahlenmäßig überlegene Auftreten der Armee als innenpolitische Ordnungs- und Disziplinierungsmacht führte nicht zur Dämpfung der Aufstände sondern stachelte diese an. Solche Eskalationen waren Anfang März auch in Berlin zu beobachten gewesen und hatten den Ruf nach Abzug der Armee und der Bildung bewaffneter Bürgerwehren laut werden lassen.
Die Frankfurter Septemberkrise, die aus dem Unmut der Revolutionäre gegenüber dem durch die Nationalversammlung, am 16. September ´48 auf Malmö angenommenen Waffenstillstandes resultierte, bildete einen Teil der europäischen Revolutionswende, die sich im Herbst diesen Jahres bemerkbar machte. In dieser Revolutionswende breitete die staatliche Macht sich wieder aus und faßte Fuß und die Handlungsspielräume der revolutionären Kräfte wurden eingeengt.
