Eines der wichtigsten Ziele der Märzrevolution war die Vertretung des Volkes beim Deutschen Bund.
Am 5.März diesen Jahres trafen sich 500 liberale Wortführer aus Süd- und Südwestdeutschland in Heidelberg, um die Länderregierungen aufzufordern, Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung auszuschreiben. 26 Tage später traf sich dieses "Vorparlament" in Frankfurt und beschloß Empfehlungen für die künftige deutsche Verfassung und legte auch das liberale Wahlrecht fest, wobei die Durchführung allerdings den einzelnen Ländern überlassen blieb.
In den ersten Mai-Tagen war es dann soweit: Die Wahlen zur Nationalversammlung fanden nach dem Prinzip der Mehrheitswahl statt. Das Wahlrecht, galt nur für Männer, war allgemein und gleich. Allerdings wurde der Gleichheitsgrundsatz an das Prinzip der Selbständigkeit geknüpft, was von Land zu Land unterschiedlich ausgelegt wurde. Voraussetzung für das Wahlrecht waren unter anderem das Einkommen, das Vermögen und der Bildungsstand. Wahlkomitees oder die Honoratioren eines Ortes stellten Kandidaten auf, die dann meistens indirekt über Wahlmänner oder direkt gewählt wurden.
Am 18.Mai wurde die Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt eröffnet und der liberale hessische "Märzminister" Heinrich von Gagern zum Präsidenten gewählt. Ohne Vereinbarung mit den regierenden Fürsten ernannte die Nationalversammlung auf Vorschlag Gagerns Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser. Dieser bildete eine vorläufige Regierung, die aber keinerlei Machtbefugnisse hatte. Johann von Österreich selbst war dem Parlament nicht verantwortlich. Unter Jubelrufen zogen 812 Abgeordnete am 18.Mai 1848 zur ersten Parlamentssitzung in die Paulskirche ein.
Da den meisten Abgeordneten die parlamentarische und politische Erfahrung fehlte, blockierten dutzende von Wortmeldungen und eine Flut von Anträgen die Beratungen. Die nur ihrem Gewissen verantwortlichen Abgeordneten schlossen sich nur allmählich zu Gruppen zusammen. Erst im Laufe der Beratungen gliederten sie sich in Flügel, wobei sich die einzelnen Gruppen nach den Stammlokalen, in denen sie sich nach einem harten Beratungstag erholten, zu nennen pflegten. Letztendlich gab es die Sozialisten aus dem "Deutschen Hof", die Rechten des "Café Milani", das linke Zentrum des "Württemberger Hof" und die zahlenmäßig und intellektuell stärkste Gruppe, die "Casino-Fraktion".
Die Rechten wollten die Aufgabe der Nationalversammlung auf die Ausarbeitung der Verfassung beschränken und die Konstitution auf eine Vereinbarung mit den Fürsten stützen. Die Linken lehnten eine Vereinbarung mit den bisherigen Machthabern generell ab. Das Ziel der "Casino-Fraktion" lag in einer konstitutionellen Monarchie mit beschränktem Wahlrecht. Sie fürchteten die Anarchie mehr, als die wieder erstarkende Macht der Fürsten. Das Programm der Sozialisten schließlich ging weit über eine reine politische Umstrukturierung hinaus.
Die Hauptaufgaben der Nationalversammlung lagen in der Schaffung einer nationalen Verfassung und Regierungsgewalt für einen deutschen Gesamtstaat. Die leidenschaftlich debattierten Grundrechte wurden erst nach Monaten verabschiedet. Mit der anschließenden Beratung über die Verfassung türmten sich scheinbar unüberwindbare Hindernisse auf: Konstitutionelle, bundesstaatliche und nationale Probleme mußten gelöst werden. Bei der Frage des deutschen Einheitstaates sah es auch nicht besser aus: Die Abgeordneten schwankten lange zwischen einer kleindeutschen Lösung ohne Österreich in der Preußen die Vormachtstellung zugesprochen bekommen und die Kaiserwürde einem deutschen Fürsten angetragen werden sollte und einer großdeutschen Lösung in der Österreich die Vormachstellung erhalten sollte. Trotz des Protestes des österreichischen Premierministers gegen die kleindeutsche Lösung entschied man sich für diese. Die erbliche Kaiserwürde bot man Wilhelm IV. an, der jedoch ablehnte und die Delegierten obendrein noch beleidigte.
Während der langen politischen Debatten, die sich lähmend auf den revolutionären Schwung der Bevölkerung auswirkten, erstarkte die Reaktion der Fürsten. Die liberalen Minister wurden nach und nach durch "Reaktionäre" ersetzt. Mit der erfolgreichen Niederwerfung radikaldemokratischer Aufstände in Österreich und Preußen wurde der Widerstand anderer Länderregierungen erheblich verstärkt.
Nach dem Scheitern der Reichsverfassung erreichte die revolutionäre Freiheitsbewegung in Sachsen, im Rheinland, der Pfalz und in Baden einen letzten Höhepunkt. Sie wurde schließlich von preußischem Militär blutig niedergeschlagen.
Nach dem Auszug vieler Abgeordnete aus der Nationalversammlung versuchte eine Minderheit in Stuttgart die Beratungen fortzusetzen. Dieses "Rumpfparlament" mußte allerdings schon nach einigen wenigen Sitzungen dem Militär weichen.
T. S.

Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung

Originaldokument in dem die Grundrechte verabschiedet wurden

Abgeordnete der Paulskirche während politischer Debatten

Die Frankfurter Paulskirche