Aufgrund der Verschärfung der Fronten zwischen Regierungen und Bevölkerung kam es im März des vergangenen Jahres zu Erhebungen in ganz Deutschland. Diese Verschärfung ist bis zum Wiener Kongreß zurückzuführen. Durch Demagogenverfolgungen, bei denen sich besonders Preußen und Österreich hervortaten, und die Karlsbader Beschlüsse kam es überall in Deutschland zu Unruhen. Ihre Höhepunkte fanden diese im Wartburgfest und im Hambacher Fest.
Ein Schritt zur deutschen Einigung, einer der Haupthoffnungen des Volkes, gab es nur auf wirtschaftlicher Ebene. Durch den Deutschen Zollverein (1834) erhofften sich die einzelnen Regierungen eine Stärkung der Wirtschaft. Diese jedoch blieb aus, weil sich die Regierungen nicht wirklich für die Wirtschaft interessierten. 1847 konnte man von einer richtigen Wirtschaftskrise reden, durch die Hunger und Armut in allen deutschen Staaten zunahm. Die Folge daraus waren noch größere Unruhen.
Die Französische Revolution im Februar gab den letzten Anstoß für die Märzrevolution in Deutschland. In Wien begann die Revolution am 13.3.1848 und führte dazu, daß der wohl mächtigste ,veralterteste und meist gehaßte Mann dieser Zeit, Fürst von Metternich, aus seinem Amt entlassen wurde und mit gefälschten Papieren nach London fliehen mußte. Dieser Erfolg war für alle deutschen Staaten der Beweis für unsere Stärke und Entschlossenheit. In Österreich gab die Regierung nach erbitterten Straßenkämpfen, wie auch in den meisten anderen deutschen Staaten, der Revolutionsbewegung schnell nach. Die Regierung wurde an unsere vermeintlichen Verbündeten, die gemäßigten Liberalen abgegeben, welche nun die Macht hatten endlich etwas zu verändern, doch wirkten sie in Wirklichkeit gegen uns. Unsere Gefühle für diese Leute drückt der Dichter Robert Putz in seinem Gedicht Pereant die Liberalen am Besten aus.
Viele kleine Staaten gaben sich in kürzester Zeit eine Verfassungen mit modernem Wahlrecht und Ministerverant- wortlichkeit. Im März fanden sich 500 Liberale zu einem Frankfurter Vorpar- lament zusammen, welche Wahlen zu einer Nationalversammlung forderten. Diese fanden im April auch statt. Am 18.5. wurde das Parlament in der Frankfurter Paulskirche nach allgemeinen und gleichen Männer-Wahlen eröffnet. Das Hauptanliegen diese Parlamentes war es einem einheitlichen Deutschland eine Verfassung zu geben. Im Oktober konnte der Verfassungsentwurf bekannt gemacht werden.
In der Zeit vom Oktober bis Dezember war die Revolution fast überall in Deutschland beendet, auf Grund der gewaltsamen Niederschlagung der Aufstände in den größten deutschen Staaten, und die Herrscher gewannen alle politische Kontrolle in ihren Ländern zurück. Am 28.3.1849 wurde die Reichsverfassung angenommen und eine Kaiserwahl durchgeführt. Die Krone sollte Friedrich Wilhelm IV., unser" König, erhalten doch lehnte er sie ab. Wilhelm IV. wörtlich: Ihr habt gar nichts zu bieten. Das machte ich mit meinesgleichen ab. Gegen Demokraten helfen nur Soldaten." Nur ein König von Gottes Gnaden kann diese Krone seiner Meinung nach vergeben. Jeder Andere, der sich diese Ehre anmaßt, solle sich in Acht nehmen.
Es war ihm also nicht gut genug die Krone aus unseren Händen zu erhalten.
Die Nationalversammlung löste sich nach diesem Mißerfolg auf. Nur einige wenige Unerbittliche bildeten ein so genanntes Rumpfparlament, das sich in Stuttgart ansiedelte. Dort wurde es jedoch kurz nach seiner Arbeitsaufnahme von badischen Truppen zerschlagen. Vereinzelt fanden Menschen noch die Kraft, sich gegen das Unrecht aufzulehnen , dies war zum Beispiel in Sachsen, der Pfalz und in Baden der Fall. Sie wurden alle in die Knie gezwungen. Im Endeffekt wurden 28 Aufständische zum Tode verurteilt und weitere für lange Zeit eingekerkert. Viele der Verfolgten und Enttäuschten wanderten nach Amerika aus oder resignierten und paßten sich den Verhältnissen an.
Nach ihrem gewaltsamen Sieg wollten die Fürsten die Einheit Deutschlands selbst durchführen. Aber wegen der ewigen Uneinigkeit Preußens und Österreichs wurde die Ordnung des Deutschen Bundes wieder hergestellt. Alle Grundrechte und das demokratische Wahlsystem wurden aufgehoben. Etwas Gutes hat die Revolution aber dennoch hervorgebracht: Einige der Herrscher erkannten nämlich, daß sie den Forderungen des Volkes nicht auf Dauer entgegnen konnten und regierten fortan auf der Grundlage einer Verfassung. Und so wird es mehr den je das Ziel des Volkes sein, soziale Gerechtigkeit, politische Gleichheit, nationale Einheit, liberale Freiheit und rechtsstaatliche Sicherheit zu erlangen.
A. G.
Auswanderer-Familie