Neue Stücke von Herrn Schumann
Gleich zwei Stücke schrieb unser allseits beliebter Komponist Robert Alexander Schumann in diesem Jahr.
Das erste Stück ist ein Klavierwerk Album für die Jugend" und wurde bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung begeistert aufgenommen.
Das zweite Stück ist eine Oper.
Sie heißt Genoveva" und wurde innerhalb von eineinhalb Jahren vollendet. Dieses Meisterstück beglückt uns bereits seit ein paar Wochen in unseren Opern.
E.-M. R.
Die Toten an die Lebenden, ein Mahngedicht auf die Märzgefallenen von Freiligrath
In bildkräftiger, wuchtiger, vor revolutionärer Inbrunst bebender Stimme rufen die Stimmen" der Toten nach Vergeltung und werden so der historischen Situation gerecht:
Die Kugel mitten in der Brust, die Stirne breit gespalten.
So habt ihr uns auf blut´gem Brett hoch in die Luft gehalten.
Hoch in die Luft mit wildem Schrei, daß unsre Schmerzgebärde
Dem, der zu töten uns befahl, ein Fluch auf ewig werde!
Richard Wagners Oper
Lohengrin"
In diesem Jahr ist Richard Wagners 6. Oper vollendet worden.
Leider ist sie noch nicht aufgeführt worden, da das Theater Angst vor der Kritik und dem Mißfallen der oberen Schicht" hat.
Das Stück ist in drei Akte geschrieben.
Die Oper wurde aus Motiven verschiedener Stücke zusammengetragen.
Aus Parzival" das Grals-Motiv, aus dem Nibelungenlied" Ortruds Streit mit Elsa und Motive aus Grimms Deutsche Mythologie".
Die Dichtungen wurden schon 1845 beendet, die Kompositionen waren im vorigen Herbst fertig und die Instrumentationen im März diesen Jahres.
Die Oper wurde in Dresden schon einstudiert, als die Anordnung kam, das Stück abzusetzen.
Der Grund, das Stück doch nicht aufzuführen, war Wagners Vaterland-Vereinsrede", bei der er politisch verdächtig" wurde.
E.-M. R.
Biographie des Komponisten Richard Wagner
Richard Wagner wurde am 22.Mai 1813 in Leipzig geboren.
Seine musikalische Ausbildung erhielt er beim Thomaskantor C.T. Weinling.
Von 1833-1839 arbeitete er an mehreren Opernhäusern, z.B. in Würzburg, Magdeburg, Königsberg und Riga.
In dieser Zeit schrieb er mehrere Opern, Die Feen" (1833) und Das Liebesverbot" (1836), welche auf Shakespeares Maß für Maß" basiert.
1836 heiratete er die Schauspielerin Minna Planer in Königsberg.
Er schrieb in dieser Zeit, als er Musikdirektor in Riga war, das Libretto und zwei Akte von Rienzi". Sie ist seine wichtigste Oper überhaupt.
1839 verließ er Riga und fuhr mit dem Schiff nach England. Dort hatte er den Einfall für seine Oper Der fliegende Holländer", die er 1841 fertigstellte.
Von London aus, reiste er bald weiter nach Paris und schrieb dort unter dem Einfluß von Hector Berlioz die Faust Ouvertüre. Er blieb bis 1842 in Paris.
Am 20.Oktober 1842 wurde seine Oper Rienzi" am Hoftheater in Dresden uraufgeführt, mit großem Erfolg.
Darauf folgte am 2.Januar 1843 die triumphale Uraufführung von Der fliegende Holländer".
In diesem Jahr zog er nach Dresden und wurde Königlich Sächsischer Hofkapellmeister.
Am 19.Oktober 1845 wurde die romantische Oper Tannhäuser" uraufgeführt. Er baute in dieses Stück strukturelle und technische Innovationen ein, die aber vom Publikum sehr kritisiert wurden. Drei Jahre später, also in diesem Jahr, ließ Franz Liszt (ein guter Freund Wagners) diese Oper in Weimar aufführen.
Richard Wagner hat dieses Jahr eine neue Oper fertiggestellt. Es ist ein romantisches Stück: Lohengrin".
Doch bis jetzt lehnt das Hoftheater Dresden die Aufführung ab.
Zu seinen theoretischen Arbeiten gehören von 1840 Über deutsches Musikwesen" und Ein deutscher Musiker in Paris."
E.-M. R.
Der Dichter und Geisteswissenschaftler Robert Putz schrieb ein Gedicht gegen die Liberalen:
Pereant die Liberalen,
Die nur reden, die nur prahlen,
Nur mit Worten stets bezahlen,
Aber arm an Taten sind:
Die bald hier, bald dorthin sehen,
Bald nach rechts, nach links sich drehen,
Wie die Fahne vor dem Wind:
Pereant die Liberalen!
Pereant die Liberalen,
Jene blassen, jene fahlen,
Die in Zeitung und Journalen
Philosophisch sich ergehn:
Aber bei des Bettlers Schmerzen,
Weisheitsvoll, mit kaltem Herzen,
Ungerührt vorübergehn:
Pereant die Liberalen!
Pereant die Liberalen,
Die bei schwelgerischen Mahlen,
Bei gefüllten Festpokalen,
Turm der Freiheit sich genannt,
Und die doch um einen Titel
Zensor werden oder Büttel
Oder gar Denunziant:
Pereant die Liberalen!
Die Republik der Tiere
So heißt das neueste Stück von Eduard von Bauernfeld.
Es ist ein satirisches Stück, das vor allem Metternich und sein System auf die Schippe nimmt.
Es kann seit einigen Wochen in unseren Theatern bewundert werden.
E.-M. R.
Auf den folgenden Seiten werden wir Ihnen ein Gedicht von Ferdinand von Freiligrath in Originallänge präsentieren!
Die Kugel mitten in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf blut´gem Brett hoch in die Luft gehalten!
Hoch in die Luft mit wildem Schrei, daß unsre Schmerzgebärde
Dem, der zu töten uns befahl, ein Fluch auf ewig werde!
Daß er sie sehe Tag und Nacht, im Wachen und im Traume-
Im Öffnen seines Bibelbuchs wie im Champagnerschaume!
Daß wie ein Brandmal sie sich tief in seine Seele brenne,
Daß nirgendwo und nimmermehr er vor ihr fliehen könne!
Daß jeder qualverzogne Mund, daß jede rothe Wunde
Ihn schrecke noch, ihn ängste noch in seiner letzten Stunde!
Daß jedes Schluchzen um uns her dem Sterbenden noch schalle,
Daß jede todte Faust sich noch nach seinem Haupte balle-
Mög´er das Haupt nun auf ein Bett, wie andre Leute pflegen,
Mög´er es auf ein Blutgerüst zum letzten Athmen legen!
So war´s! Die Kugel in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf schwankem Brett auf zum Altan gehalten!
Herunter!"- und er kam gewankt- gewankt an unser Bette;
Hut ab!"- er zog- er neigte sich! ( so sank zur Marionette,
Der erst ein Komödiante war!) bleich stand er und beklommen!
Das Heer indeß verließ die Stadt, die sterbend wir genommen!
Dann Jesus meine Zuversicht!", wie ihr´s im Buch könnt lesen;
Ein Eisen meine Zuversicht!" wär´ päßlicher gewesen!
Das war den Morgen auf die Nacht, in der man uns erschlagen;
So habt ihr triumphirend uns in unsre Gruft getragen!
Und wir- wohl war uns der Schädel uns zerschossen und zerhauen,
Doch lag des Sieges froher Stolz auf unsern grimmen Brauen.
Wir dachten: hoch zwar ist der Preis, doch ächt auch ist die Waare,
Und legten uns in Frieden drum zurecht auf unsrer Bahre.
Weh´euch, wir haben uns getäuscht! Vier Monde erst vergangen,
Und Alles feig durch euch verscherzt, was trotzig wir errangen!
Was unser Tod euch zugewandt, verlottert und verloren-
O, Alles, Alles hörten wir mit leisen Geisterohren!
Wie Wellen braust´an uns heran, was sich bergab im Lande:
Der Aberwitz des Dänenkriegs, die letzte Polenschande;
Das rüde Toben der Vendée in stockigen Provinzen;
Der Soldateska Wiederkehr, die Wiederkehr des Prinzen;
Die Schmach zu Mainz, die Schmach zu Trier, das Hänseln, das Entwaffnen
Allüberall der Bürgerwehr, der eben erst geschaffn;
Die Tücke, die den Zeughaussturm zu einem Diebszug machte,
Die selber uns, die selbst das Grab noch zu begeifern dachte:
So weit es Barrikaden gab, der Druck auf Schrift und rede;
Mit der Versammlung freiem Recht die täglich frechre Fehde;
Der Kerkerthore dumpf Geknarr im Norden und im Süden;
Für Jeden, der zum Volke steht, das alte Kettenschmieden;
Der Bund mit dem Kosackenthum; das Brechen jedes Stabes,
Ach, über euch, die werth ihr seid des lorbeerreichsten Grabes;
Ihr von des Zunftdranges Sturm am weitesten Getragnen!
Ihr- Juni-Kämpfer von Paris! Ihr fliegenden Geschlagnen!
Dann der Verrath, hier und am Main im Taglohn unterhalten-
O Volk, und immer Friede nur in deines Schurzfells Falten?
Sag´an, birgt es nicht auch den Krieg? Den Krieg herausgeschüttelt?
Den zweiten Krieg, den letzten Krieg mit Allem, was dich büttelt!
Laß deinen Ruf: Die Republik!" die Glocken überdröhnen,
Die diesem allerneusten Johannesschwindel tönen!
Umsonst! Es thäte Noth, daß ihr uns aus der Erde grübet,
Uns wiederum auf blut´gem Brett hoch in die Luft erhübet!
Nicht, jenem abgethanen Mann, wie damals uns zu zeigen-
Nein, zu den Zelten, auf den Markt, in´s Land mit uns zu steigen!
Hinaus in´s Land, soweit es reicht! Und dann die Insurgenten
Auf ihren Bahren hingestellt in beiden Parlamenten!
O ernste Schau! Da lägen wir, im Haupthaar Erd´ und Gräser,
Das Antlitz fleckig, halbverwest- die rechten Reichsverweser!
Da lägen wir und sagten aus: Eh´wir verfaulen konnten,
Ist eure Freiheit schon verfault, ihr trefflichen Archonten!
Schon fiel das Korn, das keimend stand, als wir im Märze starben:
Der Freiheit Märzsaat ward gemäht noch vor den andern Garben!
Ein Mohn im Felde hier und dort entging der Sense Hieben-
O,wär´der Grimm, der rothe Grimm im Lande so geblieben!
Und doch, er blieb! Es ist ein Trost im Schelten uns gekommen:
Zu viel schon hattet ihr erreicht, zu viel ward euch genommen!
Zu viel des Hohns, zu viel der Schmach wird täglich euch geboten:
Euch muß der Grimm geblieben sein- o, glaubt es uns, den Todten!
Er blieb euch! ja, und er erwacht! er wird und muß erwachen!
Die halbe Revolution zur ganzen wird er machen!
Er wartet nur des Augenblicks: dann springt er auf allmächtig!
Gehobnen Armes, weh´nden Haars dasteht er wild und prächtig!
Die rost´ge Büchse legt er an, mit Fensterblei geladen;
Die rothe Fahne läßt er wehn hoch auf den Barrikaden!
Sie fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere-
Die Trohne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere!
Die Adler fliehn, die Löwen fliehn; die Klauen und die Zähne!
Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveraine!
Indessen, bis die Stunde schlägt, hat dieses unser Grollen
Euch, die ihr vieles schon versäumt, das Herz ergreifen wollen!
O, steht gerüstet! seid bereit! o, schaffet, daß die Erde,
Darin wir liegen starck und starr, ganz eine freie werde!
Daß fürder der Gedanke nicht uns stören kann im Schlafen:
Sie waren frei: doch wieder jetzt- und ewig!- sind sie Sklaven!
Kurzbiographie des Dichters Ferdinand Freiligrath
Ferdinand Freiligrath wurde am 17.6.1810 in Detmold geboren.
Er war zunächst Kaufmannslehrling und Bankangestellter.
1838 veröffentlichte er eine erste Lyriksammlung; die in der Bevölkerung auf durchweg positive Resonanz traf. Aus diesem Grund widmete er sich dann auch ausschließlich der Dichtkunst.
1842 wurde ihm ein Ehrengehalt durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. verliehen, auf das er 1844 verzichtete. Noch im selben Jahr veröffentlichte er den politischen Gedichtsband Glaubensbekenntnis" mit sozialer und freiheitlich-demokratischer Ausrichtung.
Nachdem er aus Angst vor politischer Verfolgung nach Belgien und in die Schweiz auswich, kehrte er 1848 nach Deutschland zurück.
E.-M. R.