Friedrich Hecker in einem Flugblatt Anfang Juni 1848 (von der Schweiz aus) an die Abgeordneten der Paulskirche:

(...) Volksrepräsentanten zu Frankfurt a.M., zerreißt das Papier der Unterhandlung mit der Monarchie und werdet selbst die lebendige Volkstat! Rufet dem Volke, das euch gesendet hat, zu: Hannibal steht vor den Toren! Ruft ihm zu, daß es gilt ein Volk oder Knecht. Erhebt euch, Bürgerrepräsentanten, zu dem Stolz und der Vollkraft, die in jedem wohnen muß, der reden und handeln soll für fünfzig Tausend, für vierzig Millionen! Sprecht es aus, das große Wort: Deutsche Republik, deutscher Volksstaat! (...) Und habt ihr in der Mehrzahl nicht den Mut und die Kraft, nicht die Entschlossenheit, das Schiff zu steuern durch den Sturm, so legt euer Mandat nieder in die Hände kühnerer Männer, oder du, gedrücktes Volk, das hinsiechen soll in Reden und Tatlosigkeit, rufe du ihnen zu, ihre Vollmacht zurückzugeben in deine Hand, damit du Männer senden könnest, die nicht unterhandeln in deinem Namen, im Name des souveränen Volkes.

 

 

Leserbrief über Friedrich Heckers an die Abgeordneten der Paulskirche gerichtete Flugblatt:

Nun haben nicht nur die Volkspräsidenten dieses überaus übertriebene Flugblatt gelesen, sondern auch Leute aus dem Volke, wie ich. Zwar drückt Friedrich Hecker im Groben etwa aus, was wir alle wollen, nämlich eine deutsche Republik, aber trotzdem glaube ich nicht, daß diese Übertriebenheit, diese radikale Umformung in die Demokratie, uns wirklich weiterbringt. Wenn man nicht genau hinsieht und zu stürmisch, zu unüberlegt an diese Sache geht, könnte es uns passieren, Herr Hecker, daß wir genau das Gegenteil erreichen. Wir könnten uns mehr schaden, als wir wollen, deshalb sollten wir nicht alles auf einmal machen. Wir müssen es Schritt für Schritt angehen und dabei beachten, nicht voreilig zu handeln. Die Abgeordneten der Paulskirche sind dafür da. Durch sie können wir, Herr Hecker, fließende Übergänge schaffen, ohne all zu viele Brutalitäten.

So können wir viel besser das Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles und konstitutionelles wandeln. Zwar hatte Friedrich Wilhelm IV die Liberalen (1847) stark enttäuscht, womit man auch die Wut und Unzufriedenheit erklären kann, aber man kann und darf damit nicht die Übereiltheit und Brutalität, die in diesem Flugblatt angepriesen wird, erklären.

A.-M. B.

 

 

Leserbrief zum Flugblatt von Friedrich Hecker an die Abgeordneten der Paulskirche:

Diese Schrift war diejenige, die mich von allen am Meisten angesprochen hat.

Ich denke auch, daß wir nicht mehr auf die unnützen langwierigen Entscheidungen der Abgeordneten warten sollten. Hat sich denn schon jemand mal die Zusammensetzung der Abgeordneten zu Gemüte führen lassen? Schrecklich! Nur Geistige, Staats- und Gemeindestände. Die Wirtschaftsstände sind in der Minderheit – und von den Berufslosen sind nur 118 enthalten. Wo sind da die ganz normalen Bürger? Diese Abgeordneten der Paulskirche lassen sich schön gemütlich Zeit. Wußten sie, daß einige von uns in der Zwischenzeit hungern oder frieren? Wir müssen es wirklich in die eigene Hand nehmen und durchgreifen! Es wird sonst nie zu einer sichtbaren Verbesserung unserer Lebensverhältnisse kommen.

Augen auf und weiterkämpfen!

A.-M. B.

 

 

Über die Ereignisse in Berlin am 18./19. März 1848:

Der Sturm, der mit wachsender Gewalt das königliche Schloß umbrauste , konnte nicht länger überhört werden, und hätte man die Ohren verstopfen wollen, der Ruf von Österreich wäre hindurchgedrungen, daß Preußen jetzt vereinzelt in Deutschland dastehe, daß es die Gewalt der Ergebnisse bei weitem überholt, und seine Stellung gänzlich unhaltbar geworden sei. Aus diesem Gefühle ging auch der Entschluß hervor, es zum Kampf auf Tod und Leben kommen zu lassen, und dieser gänzliche Wechsel in der inneren Gesinnung prägte sich auch blitzschnell in der äußeren Erscheinung der Stadt aus. Es wurden sogleich Barrikaden, die sich in wenigen Stunden über die ganze Stadt ausdehnten, bis zur Zahl von 5000 errichtet, dann wurde mit allen Glocken Sturm geläutet, das Straßenpflaster aufgerissen, mehrere Straßen mit Glasscherben bestreut, spitzes Eisen in den Boden getrieben, um der Reiterei den Weg unmöglich zu machen. Steine wurden auf die Dächer geschafft und sogar abgedeckt, siedendes Wasser und Öl war in Bereitschaft. Leute jeden Alters, Geschlechts und Standes waren dabei, und nur beim Heranrücken des Militärs entfernten sich Frauen, Kinder, Greise in die Häuser, alles Bereitgehaltene herabzuschleudern. Mit der Beleuchtung der Häuser verfuhr man in der Weise, daß die Fenster des zweiten Stockes beleuchtet wurden, sobald die Kämpfer Licht oder Dunkelheit bedürften, wenn ihr Rückzug sich den Blicken des verfolgenden Feindes entziehen sollte. Die Kämpfer anlangend, so erblicken wir unter ihnen Studenten, Schriftsteller, Künstler, junge Beamte und Arbeiter; Polen mögen weniger als Mitkämpfer gefehlt haben. Eines der hitzigsten Gefechte war bei der Barrikade in der Breitenstraße, unfern des köllnischen Rathauses! Der Kampf währte drei Stunden , fünfmal lief das Militär dagegen Sturm, vier Offiziere und dreissig Mann wurden getötet; es wurde mit Kartätschen dagegen geschossen, aber erst, nachdem fortwährend neue Truppen herbeigezogen worden waren, wurden die Verteidiger überwältigt. Jedoch im Rücken waren neue Barrikaden errichet, und die ihnen nachdrängenden Truppen mit Steinhagel vom köllnischen Rathause empfangen. Und als Mangel an Waffen wurde, so sind gleich mehrere Kasernen, Waffenläden und wo man nur Waffen hoffte, erstürmt wurden. Die einzeln auf der Straße getroffenen Offiziere und Soldaten wurden entwaffnet. Am mörderischsten war der Kampf am Landwehrhaus in der Lindenstraße, bei dessen Verteidigung, sich besonders zwanzig Offiziere auszeichneten, welche von den Fenstern aus ein wohlgezieltes Feuer gegen die Anstürmenden unterhielten. Letztere wurden von einem Arbeiter aus Halle, namens Hesse, angeführt, der, jede Gefahr kühn verachtend, den Kampf unnachlassend fortsetzte. Da es seinem Haufen jedoch gänzlich an Feuerwaffen fehlte, wurden mehrere Bürgerschützen herbeigeholt, welche die Verteidiger von den Fenstern vertrieben und es Hesse und seinen Gefährten möglich machten, die Türen zu sprengen und in das Innere einzudringen. Fast die ganze Nascht hindurch dauerte der Konflikt, der vorgefundene Waffenvorrat aber kam schon zu spät, um das bald beendete Blutbad noch wirksam verhindern zu können. Nun wurde das Militär von allen Posten entfernt, Bürger, Studenten und Arbeiter besetzten das Schloß und alle öffentlichen Gebäude. Einen schauerlichen Eindruck machten die Leichen der Gefallenen, jedes Haupt mußte sich entblößen. Die Zahl der Gefallenen die öffentlich bestattet wurden, war 155; viele Familien beerdigten die ihrigen abgesondert. Die Verwundeten wurden im Schloßgebäude unter der Königin Aufsicht aufs Beste verpflegt, 700 Verwundete, von denen zu viele starben. Der Verlust des Militärs wird auf 1590 gerechnet. Während dieser Nacht wurde aber nicht nur getötet, sondern auch etwas zum Leben erweckt: „Das Lied der Deutschen„ von Hoffmann von Fallersleben war aus allen Winkeln Berlins zu hören. Das von ihm 1841 geschríebene Lied, zu dem Haydn die Melodie schrieb, wurde schon früher in patriotischen Kreisen gesungen, erreichte aber erst in diesen Tagen die breite Öffintlichkeit und entwickelte sich dadurch zu einem Volkslied. Am 22.März ertönten alle Glocken in der Stadt zum Aufbruch des Zuges, der sich um zwei Uhr in Bewegung setzte, wobei die Särge von Jungfrauen und Kränzen, Bürgergarden, Studenten, Arbeitern mit Fahnen begleitet wurden. Tränen waren in aller Augen.

 

 

Die Londoner Times schreibt über die Ablehnung der Kaiserwürde durch den preußischen König:

Die Annahme der Kaiserwürde durch Friedrich Wilhelm IV. würde der deutschen Nation keinen Frieden und keine Eintracht gebracht haben. Selbst die, die jetzt begeistert seien, würden bald in Konflikt mit ihren lokalen Interessen, ihren religiösen Überzeugungen und ihren alten Eifersüchteleien kommen. Österreich und Bayern, noch mehr Hannover, würden sich niemals einer Macht unterwerfen, die sich so wenig auf die Bundesakte stützen könne. Hinter Österreich aber steht Rußland, das mit ihm durch die gemeinsame Feindschaft gegen die revolutionären Lehren geeint ist. Das erste Anzeichen einer wirklichen Einigung Deutschlands ruft ferner die Feindschaft Frankreichs auf den Plan. England, das an sich nichts zu befürchten hat, würde mit Bedauern die große Gefährdung des allgemeinen Friedens sehen, da Preußen, wenn es die Kaiserkrone annimmt, die ganze Front der europäischen Mächte gegen sich hat. Ein sehr kühner und ehrgeiziger Monarch kann zwar diese Hindernisse überwinden, aber dazu hat der König von Preußen nicht das Zeug. Er ist, kurz gesagt, ein romantischer Souverän, nicht ohne glänzende Impulse, der aber in einer Welt lebt, die mit kühnen Taten bei der Hand ist. Ein Mann von so unbeständigem Charakter wird immer einer klaren und endgültigen Entscheidung ausweichen.

 

Wilhelm IV. bei der Antragung der Kaiserwürde durch Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung.

Wilhelm IV. bei der Antragung der Kaiserwürde durch Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung.