Benutzer: gast • Besitzer: schwill • Zuletzt geändert am: 2011/03/26 09:19:41

Gesprächskreis Informatik (1)
unter Mitwirkung von
Universität Erfurt
Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
Arbeitskreis Dokumentation
Deutsche UNESCO-Kommission

 

 Erfurter Resolution

 
Erstmals haben sich auf Einladung des "Gesprächskreises Informatik" am 22. und 23. April 1999 in Erfurt Informatikerinnen und Informatiker mit Lehrerinnen und Lehrern, Vertreterinnen und Vertretern der Erziehungswissenschaft, Didaktik, Schulpsychologie, aber auch der Politik sowie der Eltern- und Schülerschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem interdisziplinären Symposium zusammengefunden. Unter dem Titel "Wissen und Lernen - Was trägt die Informatik zum Unterricht bei?" wurde diskutiert, unter welchen Grundsätzen künftiger Schulentwicklung den Herausforderungen der Informationsgesellschaft begegnet werden kann.

Diese Diskussion hat zu den folgenden zehn Thesen geführt.

These 1:
Der Umgang mit Information ist neben den traditionellen Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens eine weitere unverzichtbare Grundkompetenz geworden.

These 2:
Dies bedeutet, daß für den Erwerb dieser Kompetenz im Rahmen der aktuellen Schulentwicklung ein fester unterrichtlicher Ort vorgesehen werden muß - wie beispielsweise für schreiben und lesen.

These 3:
Für die unterrichtliche Einbettung ist ein Fundament zu definieren, das - wie bei den anderen Kulturtechniken - sowohl als eigenständiger Unterricht zu verankern als auch bei anderen Fächern in Stundentafel und Rahmenpläne zu integrieren ist.

These 4:
Dies erfordert die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für eine informatische Bildung, die alle Schulstufen und alle Schularten umfaßt.

These 5:
Für alle Unterrichtsfächer gilt: Inhalte, Methodik und Organisation sind durch den informatikspezifischen Umgang mit Information neu zu bestimmen. Insbesondere sind hier alle Fachdidaktiken aufgerufen, zu verdeutlichen, welche Beiträge das jeweilige Fach hierbei leisten kann.

These 6:
Verpflichtender Informatikunterricht ist in der Sekundarstufe I unabdingbar zur Bereitstellung der erforderlichen Methoden, Kenntnisse und Fähigkeiten, z. B:

These 7:
Mit dem Schlagwort "Medienerziehung" ist die geforderte informatikspezifische Kompetenz nicht zu erreichen.

These 8:
In der Öffentlichkeit herrscht ein falsches Bild der Informatik vor (Programmierkurse, Hacken), das insbesondere Mädchen abschreckt. Nicht das Werkzeug ist entscheidend, sondern die zu lösende Aufgabe.

These 9:
Die Informatik durchdringt alle Berufe in vielfältiger und fundamentaler Weise und hat damit einen wesentlichen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Informatische Bildung ist daher der entscheidende Erfolgsfaktor der Zukunft.

These 10:
Folgende Rahmenbedingungen müssen entsprechend geschaffen werden:

Zur Umsetzung dieser Thesen bietet der Gesprächskreis Informatik allen interessierten Institutionen und Einrichtungen seine fachliche Beratung an. (2)

Erfurt, den 23. April 1999


1 Folgende Fachgesellschaften sind derzeit im „Gesprächskreis Informatik„ mit insgesamt 60.000 Mitgliedern vertreten: Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter e.V. (adi), Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Recht und Informatik e. V. (DGRI), Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft e.V. (GIL), VDI/VDE-Gesellschaft Meß;- und Automatisierungstechnik (GMA), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e.V., VDE/VDI - Gesellschaft für Mikroelektronik, Mikro- und Feinwerktechnik (GMM), Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG), Österreichische Computergesellschaft (OCG), Schweizer Informatiker Gesellschaft (SI).

2 Kontaktadresse: Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e. V., Ostbahnhofstraße 13, D-60314 Frankfurt am Main, Tel. +49 +69 43 03 13